Mit allen Sinnen

Die Kunst der Weinverkostung

Ein Artikel von Denise Wachschütz | 02.04.2025 - 09:51
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Bevor es an die Verkostung geht, ist die richtige Umgebung entscheidend. Der Raum sollte neutral sein - Starke Gerüche wie Parfüm, Essen oder Rauch können das Aroma des Weins überdecken. Auch das richtige Glas ist wichtig: Ein bauchiges Glas mit einer sich verjüngenden Öffnung hilft, die Aromen zu konzentrieren. Um diese voll ausschöpfen zu können, muss die Temperatur stimmen. Weißweine sollten gekühlt, Rotweine leicht temperiert sein. Ein Glas Wasser oder neutrales Brot hilft, den Gaumen zwischen den Proben zu reinigen.

Die Verkostung

Zunächst betrachtet man den Wein gegen eine helle Lichtquelle. Dabei achtet man auf Farbe und Klarheit: Ein junger Weißwein ist meist blassgelb bis grünlich, während ein gereifter Weißwein goldene Töne annimmt. Rotweine reichen von hellem Rubinrot bis zu tiefem Purpur. Die Viskosität, also die sogenannten „Kirchenfenster“ an der Glaswand, geben Hinweise auf den Alkohol- und Zuckergehalt.

Der Geruchssinn spielt eine entscheidende Rolle, denn die Nase kann viel mehr Nuancen wahrnehmen als der Gaumen. Dafür schwenkt man das Glas leicht und riecht in kurzen Zügen am Wein. Man unterscheidet Primäraromen, die fruchtige, blumige und kräuterartige Noten umfassen und von der Rebsorte stammen, Sekundäraromen, die durch die Gärung entstehen und beispielsweise Noten von Hefe oder Butter enthalten, sowie Tertiäraromen, die sich durch Reifung entwickeln und an Holz, Leder oder Nüsse erinnern können.

Beim eigentlichen Geschmackstest nimmt man einen kleinen Schluck und lässt den Wein im Mund kreisen. Hierbei achtet man auf die Balance von Süße, Säure, Tannin und Alkohol, da diese die Harmonie des Weins bestimmen. Der Körper eines Weins kann leicht, frisch und elegant oder vollmundig und intensiv wirken. Ein langer Nachgeschmack, auch Abgang genannt, weist oft auf eine hohe Qualität hin.

Nach der Verkostung kann man sich einige Fragen stellen: Welche Aromen waren besonders präsent? Wie war die Balance zwischen Süße, Säure und Tannin? Hat der Wein einen bleibenden Eindruck hinterlassen? Weinverkostung ist eine Kunst, die mit Erfahrung und Übung immer leichter fällt. Je bewusster man sich mit einem Wein beschäftigt, desto mehr kann man seine Vielfalt genießen. Prost und viel Freude beim Verkosten!